Bis Ende des 18. Jahrhunderts beerdigte man die Toten in Hamburg in der Regel auf Begräbnisplätzen und in Gruften bei den Kirchspielen.
Aus Platz- und Hygienegründen wurden 1812 innerstädtische Beisetzungen generell verboten, zum Ersatz waren vor den Toren der Stadt ausgedehnte Friedhöfe angelegt worden.
Ab 1789 der St.-Jacobi-Kirchhof vor dem Steintor (bei der heutigen Kirchenallee), und ab 1793 die Dammtorfriedhöfe auf dem Gelände vor dem Dammtor (bei dem heutigen Messegelände und Planten un Blomen bis hin zur Sternschanze).
Teile der noch erhaltenen Dammtorfriedhof-Grabsteine lassen sich heute in einem der beiden Grabmal-Freilichtmuseen besichtigen.
Aufgrund des enormen Bevölkerungswachstums und der geplanten Erweiterungen der Stadt erwiesen sich diese Anlagen schon kurze Zeit später als zu eng, so dass der Hamburger Senat ab 1854 Überlegungen zur weiteren Verlagerung und zur Schaffung eines neuen Großfriedhofs anstellte.
1873 wurde die Verlegung der Begräbnisplätze geplant. Ein Jahr später kaufte die Stadt etwa 130 Hektar Wiesen- und Feldflächen zwischen der Fuhlsbüttler Straße und der preußischen Grenze Richtung Bramfeld, damals weit außerhalb der städtischen Wohnbereiche gelegen. Die Grundzüge der Friedhofsgestaltung gehen auf einen vorläufigen Generalplan des Oberingenieurs Franz Andreas Meyer aus dem Jahr 1875 zurück, indem festgelegt wurde, dass die
Gesamtanlage der Umgebung entsprechend parkartig und landschaftlich gehalten werden müsse, wobei jedoch eine beschränkte architektonische Ausschmückung keineswegs ausgeschlossen sein solle.
Mit der konkreten Ausarbeitung des Generalplans und der Umsetzung beauftragte die Stadt 1876 den Architekten Johann Wilhelm Cordes. 1879 wurde er zum Friedhofsverwalter, 1898 zum Friedhofsdirektor ernannt, er hatte dieses Amt bis zu seinem Tod 1917 inne.
Gleich zu Beginn seiner Amtszeit, schon vor der Erstellung des endgültigen Konzepts, wurde die Belegung einer provisorische Beerdigungsfläche notwendig, sie umfasste zunächst ein Gebiet von sechs Hektar nördlich der heutigen Kapelle 1.

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Am 1. Juli 1877 erfolgte in einem feierlichen Akt die Friedhofseröffnung, in die die ersten drei Beisetzungen eingebunden waren. Es handelte sich dabei um Verstorbene aus dem Allgemeinen Krankenhaus St. Georg, die aus einer Bevölkerungsschicht kamen, deren Angehörige sich bis dato keine individuellen Grabstätten leisten konnten. So wurden diese ersten Beerdigungen dem Anspruch gerecht, dass auf dem neuen Friedhof durch günstige Preise die Anlagen von Einzelgräbern für jedermann ermöglicht werden sollten.
1902 wurde an diesem Platz das Denkmal für die Zuerst beerdigten aufgestellt, es ist ein Findling mit eingelassener Bronzetafel. (Lage: U9)

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Mit dem Ankauf der Ohlsdorfer Ländereien hatte die Stadt auch das Bauernhaus des Vorbesitzers Hein Hinrich Schwen erworben, das zu einer provisorischen Kapelle umgebaut wurde. Es enthielt zudem ein Büro und eine Wohnung für den Friedhofsaufseher, die ehemalige Diele diente als Feierraum und eine abseits gelegene Scheune wurde zur Leichenaufbewahrung genutzt. Das ehemalige Schwen’sche Bauernhaus wurde 1896 für die Anlage des bis heute bestehenden Haupteingangs abgebrochen.
Auf der Pariser Weltausstellung von 1900 wurden Friedhofsdirektor Cordes und der Hamburger Senat mit einem Grand Prix ausgezeichnet in Anerkennung der weltweiten Vorbildfunktion der präsentierten Friedhofsanlage.
Im Verlauf seiner fast 40 Jahre dauernden Amtszeit gestaltete Wilhelm Cordes maßgeblich den westlichen, nach ihm so benannten Cordesteil des Friedhofs. Seine Vorbilder waren amerikanische Parkfriedhöfe und englische Landschaftsgärten mit der Natur nachempfundenen Hügel- und Gewässerformen, Wegführungen und Pflanzungen.
Auch ein großer Teil der Bauten gehen auf Cordes zurück, so stammen von ihm die ersten acht zwischen 1880 und 1912 erbauten Kapellen (von denen noch sechs erhalten sind).
Ebenso wurde das Verwaltungsgebäude 1909/1910 nach seinen Plänen errichtet. Es bildet gemeinsam mit den zwei Pförtnerhäuschen und zwei Gebäuden vom Friedhof aus gesehen (links das Museum) und (rechts der neue Fußgängereingang) ein repräsentatives neobarockes Ensemble.
Verwaltungsgebäude (Auf der Karte anzeigen),
Pförtnerhäuschen:
Pförtnerhäuschen 1 (Auf der Karte anzeigen),
Pförtnerhäuschen 2 (Auf der Karte anzeigen),
Museum (Auf der Karte anzeigen)
Fußgängereingang (Auf der Karte anzeigen)
Erweiterungen
Durch weitere Ankäufe wurde der Friedhof beständig erweitert, so kamen um 1900 die Ohlsdorfer und Borsteler Feldmark mit einer Fläche von gut 60 Hektar (heute durch den West-, Nord- und Ostring erschlossen), und ab 1913 Flächen der Bramfelder Feldmark im Osten von 156 Hektar hinzu. Bis 1919 erfolgte die Erweiterung in mehreren Schritten bis zur Bramfelder Chaussee, damit wurden Gelände über das Hamburger Staatsgebiet hinaus einbezogen, die auf vormals preußischem Gebiet lagen.
1919 übernahm der Gartenbaudirektor Otto Linne das Amt des Friedhofsdirektors. Er änderte die Planung für das östliche Erweiterungsgelände grundlegend und orientierte sich an den Ideen der Friedhofsreformbewegung. Deutlich sichtbar ist die Abkehr von dem landschaftlichen Gestaltungsprinzip zugunsten einer sachlichen und geometrischen Anlage mit klarer Linienführung des heute so genannten Linneteils. 1928 kam als letzte Erweiterung die Anlage des Prökelmoorteichs östlich des Eingangs Kornweg hinzu. 1930 war das Gelände mit seiner größten Ausdehnung von etwa 400 Hektar, die in etwa noch der heutigen Größe entspricht, erschlossen.
Die 400 Hektar große Friedhofsfläche wird bereits im Jahr 2015 mit 200 Hektar nur noch zur Hälfte für Beisetzungen genutzt. Die andere Hälfte ist Parklandschaft. Wegen der rückläufigen Sterbefälle, geringerem Platzbedarf durch Urnen- statt Sargbeisetzungen, und anderen Beisetzungsformen (Seebestattung, Friedwälder) wird die Bestattungsfläche verkleinert und die übrige Fläche umgenutzt.
Der Ohlsdorfer Friedhof, besteht im großen aus diesen beiden Teilen:
Cordesteil
Vorbild für die Neuanlage des Ohlsdorfer Friedhofs waren die während des frühen 19. Jahrhunderts in den USA entstandenen rural cemeteries, wie der 1831 entstandene Mount Auburn Cemetery bei Boston, die sich wiederum in der Gestaltung am Konzept des englischen Landschaftsgartens orientierten. Elemente darin sind eine unregelmäßige Wegführung, gestaltete Hügel- und Teichanlagen und waldartige Bereiche.
Wilhelm Cordes sah in den Ausführungen allerdings die Schwierigkeit, dass bei derartigen Neuanlagen auf den eigentlichen Zweck, die Beerdigungen, zunächst keine Rücksicht genommen und so die schönen Parkanlagen durch die Belegung mit Gräbern wieder zerstört wurden.
Dieses Problem verstärkt sich durch den damals neu aufkommenden Anspruch, für jedermann ein Einzelgrab zu schaffen, so dass von vornherein etwa 70 Prozent der Fläche für eng in Reihen angeordnete Allgemeine Gräber vorgesehen war. Cordes formulierte für seine Planungen die Vorgabe, dass die Eigenart des Friedhofswesens in die Gestaltung einbezogen, die verschiedenen Ansprüche gegeneinander abgemessen und in künstlerischer Form wiedergegeben werden müssen,
Nur dann wird die Anlage praktisch und zugleich schön sein.
Den Ausgleich zwischen Park und Friedhof schuf Cordes durch die Begrenzung der Reihengräber mit dichter Randbepflanzung und vorgesetzten kleineren Familiengräbern, die von den ringartig angelegten Umfahrungsstraßen nicht einsehbar sind und in Landschaftsszenerien eingebettet wurden.
Auch die künstlerischen Ausgestaltungen wurden von Zweckmäßigkeiten bestimmt, Teiche wurden an Stellen angelegt, die durch lehmige Bodenschichten für Beerdigungen ungeeignet waren, zusammen mit künstlichen Bachläufen bilden sie zugleich ein ausgeklügeltes Drainagesystem. Die in der Geestlandschaft vorhandenen Hügel bezog Cordes in die Gestaltung ein und ließ sie teilweise mit Alpenflora bepflanzen.
Linneteil
Die ab 1920 angelegte östliche Erweiterung unter dem Friedhofsdirektor Otto Linne stellt eine deutliche Abkehr von den vorherigen Gestaltungsprinzipien dar.
Aus der Kritik an der großbürgerlichen Grabmalkultur, dem entsprechend ist die Anlage des Linneteils an einem sachlichen und funktionalistischen Grundriss orientiert.
Quelle & Links
Quelle: Wikipedia
https://de.wikipedia.org/wiki/Friedhof_Ohlsdorf
Die Geschichte des Friedhof Ohlsdorf, auf der offiziellen Webseite des Friedhof Ohlsdorf:
https://www.friedhof-hamburg.de/die-friedhoefe/ohlsdorf/geschichte